Heimatverein Kalbe Milde  

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Mai 2018 -
Abdruck einer Kolumne von Alexander Netschajew aus seinem Buch "Meine Zeit am Theater der Altmark"
   
Am Donnerstag war ich zusammen mit dem Musikalischen Leiter des TdA Andreas Dziuk in Kalbe an der Milde. Der dortige Kultur- und Heimatverein hatte uns eingeladen, wir waren schon einige Male zu Gast, und jedes Mal gerieten diese Auftritte zu fröhlichen und im positivsten Sinne des Wortes –besonderen- Abenden.
Andreas und ich machen uns also auf den Weg. Es ist ein wunderschöner, sommerlicher Tag, die ländliche Altmark zeigt sich von ihrer idyllischsten Seite, die Wälder und saftigen Wiesen wechseln sich mit bestellten Feldern ab. Im Auto besprechen wir letzte Details unseres Programms. Einzig wenn wir durch die Ortschaften fahren, blicken wir uns irritiert um. Die altmärkischen Dörfer stehen größtenteils ja wieder hübsch rausgeputzt da, aber — kein Mensch ist auf der Straße! Daran konnte ich mich in all den Jahren nie gewöhnen. Irgendwo müssen sie doch sein, die Bewohner von Garlipp, Döllnitz, Poritz, Karritz? Auch Kalbe an der Milde scheint zunächst menschenleer. Bis wir zum Café. Friedenseck gelangen. Es ist schon ein bisschen wie nach Hause kommen: Freundlich, ja freundschaftlich werden wir empfangen. Ob wir etwas essen möchten? Apfelschorle, Sekt und Eisbecher werden kredenzt, wir richten unsere Texte und Noten ein, die Gitarre wird gestimmt — dann kommen auch schon die ersten Gäste. Eine Dame von der Presse lässt es sich nicht nehmen und interviewt uns, sie wird auch noch bleiben, obwohl sie eigentlich zur Weihnachtsfeier müsste. Ich frage nach, ob ich richtig gehört habe: Weihnachtsfeier? Ja, der Betrieb hätte immer wieder verschieben müssen, aber heute sei es endlich soweit! Wow. Daumen hoch!

Wir beginnen — natürlich zunächst mit einer herzlichen Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende, die zur schönsten Rede vor einem meiner Auftritte gerät, die ich jemals bekommen habe. Und schließlich legen wir los: Ich rezitiere Kästner, Goethe, Biermann, Andreas swingt und rockt sich mit Leonard Cohen bis Rosenstolz in die Herzen der Hörerschaft. Und wieder ist er da, dieser Kalbenser Spirit, der uns alle trägt und dem Abend Flügel verleiht.

Nach Zugaben, herzlichem Applaus und Baumkuchen noch einmal Worte der Veranstalter an uns und dann speziell an mich: „Heute durften wir Ihren letzten Auftritt in Kalbe erleben. Sie haben mit Ihrem Engagement, mit Ihrer liebens¬werten, interessanten, temperamentvollen und humorvollen Art die Kunst der Sprache und der Lyrik zu uns gebracht. Dafür danken wir Ihnen sehr herzlich ...“

Ich verneige mich an der Seite meines Musikalischen Leiters. Ich verneige mich in Kalbe, einer kleinen Gemeinde in einem dünn besiedelten Gebiet Deutschlands. Bei solchen Momenten mit solchen Menschen weiß ich, warum ich meine Arbeit mache.
   
   
   
   
 
     

 

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